Meine Passion


     Wenn ich gefragt werde, wie ich zu dieser Arbeit gekommen bin, führt mich mein inneres Bild immer wieder zu derselben Szene zurück:


Ich bin sechs Jahre alt.

Ich knie vor meiner Mutter, die bitterlich weint, ihren Körper hin und her wiegt, um sich selbst zu beruhigen.

Sie durchlebt eine von vielen Panikattacken.


Instinktiv frage ich:

„Woran hast du gedacht? Was hast du gesehen? Was hast du gehört?“

Ich wollte verstehen, wollte herausfinden, was sie so quälte – wollte es entschärfen, weil ich spürte, dass sie es allein nicht konnte.


Es sollte der Anfang eines langen, schweren Weges werden.

Ein Weg voller Angst, Tränen, Verletzungen, Alkohol und verzweifelter Versuche, weiterzumachen.


Meine Mutter verlor diesen Kampf.

Mit 37 Jahren nahm sie sich nach einem langen, protrahierten Suizid das Leben.


Diese Erfahrung hat mein Leben geprägt – schmerzhaft, tief, unwiderruflich.

Doch gleichzeitig hat sie in mir etwas entstehen lassen, das heute meine größte Stärke ist:


Kraft.

Empathie.

Verständnis.

Und die Fähigkeit, Menschen wirklich zu sehen.


Oft denke ich zurück und spüre diese wehmütige kindliche Seite in mir:

Wie gerne hätte ich damals das Wissen gehabt, das ich heute habe.

Wie gerne hätte ich ihr geholfen, gehalten, begleitet.


Doch die erwachsene Seite in mir weiß:

Alles hat seinen Weg.

Und aus diesem Weg ist etwas entstanden, das heute meine Passion ist.


Eine unerschöpfliche Quelle aus Liebe, aus der ich schöpfe, wenn ich mit meinen Klientinnen und Klienten arbeite.

Eine Quelle, die es mir ermöglicht:


  • einzugreifen,
  • die Richtung zu verändern,
  • Licht auf steinige Wege zu stellen,
  • Halt zu geben,
  • Klarheit zu schaffen,
  • bis der Boden sich wieder ebnet und die Sicht frei wird.



Dafür danke ich meiner Mutter.

Und all den Umständen und Menschen, die mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin.


Sie hat mir – ohne es zu wissen – den Weg gezeigt, der heute meine Berufung ist.

Und meine Aufgabe. 🤍